1. Sinkt der Konsum, sind neue Anreize, Flavours und Trends gefragt
Tanja Urbanowicz, Senior Marketing Intelligence bei Pernod Ricard, hatte viele wertvolle und aussagekräftige Zahlen für ihren Auftakt-Talk „Nüchtern betrachtet: Weniger Alkohol. Mehr Anspruch. Neue Chancen“ mitgebracht. Die allgemeine Konsumzurückhaltung – unter anderem durch gestiegene Kosten für Energie und Lebensmittel – schlägt sich in der Hospitality deutlich nieder. 111 Euro gibt ein deutscher Haushalt im Schnitt monatlich für Gastronomiebesuche aus, 42 % geben an, künftig noch weniger Geld einzuplanen, sollte sich die wirtschaftliche Situation weiter eintrüben.
Im Bereich der Spirituosen kommt neben dem finanziellen Aspekt – weniger Budget für Drinks – auch ein gesellschaftlicher hinzu: Aus gesundheitlichen Gründen setzen sich Trends wie weniger Alkohol, weniger alkoholische Drinks (Stichwort Low ABV und Aperitifs) und Konsummuster wie „Zebrastriping“ (alkoholische und nichtalkoholische Getränke werden im Wechsel getrunken) immer mehr durch. „Dieser Trend wird weitergehen“, so die Zahlenexpertin. Für die Gastro- wie für die Getränkebranche bedeutet das: Sie muss sich neu erfinden, so Urbanowicz, und nennt Vaping – als Alternative zum klassischen Rauchen – als Beispiel, wie so etwas gelingen kann. Alkoholfreie Drinks stellen für viele Gäste eine attraktive Alternative dar – und sind zudem ein wachsendes Segment.
Stichwort Geschmack: Die Marktforschung zeigt, dass Gäste zurzeit einem „swicy“ Geschmack sehr zugetan sind – Kombinationen von süß und scharf (z. B. Manukahonig und Chili) – und generell alles mögen, was intensiv ist: pikant, sauer, umami, aber auch erdig und rauchig. „Auf-die-Fresse-Flavours“, bringt es Urbanowicz auf den Punkt. Hier bieten sich der Hospitality neue Trendansätze. Und: Tequila kommt. Was in der Barszene schon seit vielen Jahren prognostiziert wird, zeigen nun auch die Zahlen aus dem Außer-Haus-Markt, berichtete Tanja Urbanowicz. „Die Gastronomie muss Anreize schaffen, damit die Gäste trotzdem kommen“, findet sie. Und wenn sich die konjunkturelle Situation wieder verbessert, sitzt das Geld auch wieder lockerer.