Kapitel 3: The KPI
Eine solche Steuerung machen Kennzahlen (KPIs) möglich: Wareneinsatzquote, Personalkosten, beides zusammen (die Prime Cost), Umsatz pro Kopf, Anzahl Reservierungen, Food-Beverage-Anteil, Rohertrag, Betriebsergebnis und weitere lassen sich aus dem Kassensystem und anderen Tools entnehmen.
Mehr Produktivität
Für das „Café Danz“ stellt die Personalproduktivität (Umsatz pro Arbeitsstunde) eine besonders wichtige KPI dar. Sie ist „wie der Tacho im Auto“, so Schöler, und stellt eine Verbindung zwischen anfallender Arbeitszeit und wirtschaftlichem Ertrag her. Analysen einzelner Öffnungstage decken auf: Je nach Team des Tages erreicht man bis zu 94 Euro Umsatz pro Stunde – super, aber auch nur 52 Euro – miserabel. Mehr Schulungen und andere Teamzusammensetzungen sorgen heute für mehr gute und weniger schlechte Tage.
Mehr Umsatz durch Cocktails
Eine weitere wichtige KPI ist der Pro-Kopf-Umsatz. Sie zeigt wiederum: Mit knapp 30 Euro liegt er schlicht zu niedrig. Langfristig muss das „Café Danz“ auf 40 Euro pro Kopf kommen. Um das zu erreichen, wurden die Preise leicht erhöht, doch vor allem wurde das Angebot überarbeitet. Vom Weinbistro hat sich das „Café Danz“ – ohne das groß zu kommunizieren – zum Cocktail-Restaurant gewandelt. Gemixte Drinks rücken ins Zentrum und werden aktiv verkauft.
„Wir haben mit Cocktails und Spritzes einfach mehr Rohertrag als mit einem Glas Wein.“
Andreas Schöler
Statt fünf Euro für 0,15 l sind es beim Cocktail bzw. Spritz sieben Euro für 0,1 l. Weil aktuell wenige Gäste sich ein zweites Glas/Getränk bestellen, muss das erste „performen“. Einfache Spritzes sowie Cocktails, die im „Café Danz“ gezapft werden und deshalb wenig Personalaufwand brauchen, liefern besser ab – und mit deutlich steigenden Umsätzen in den beiden Kategorien bleibt letztlich überproportional mehr hängen.
Menu Engineering
Für mehr Umsatz pro Mitarbeiter und pro Gast wurde die Karte angepasst. Ganz so, wie „Indie Bartender“ und SIP-Mentor Danil Nevsky empfiehlt: Weil der Blick der meisten Gäste zuerst nach oben rechts und dann nach oben links fällt, gehören hier die margenstarken Produkte hin. Im „Café Danz“ sind dies die Signature-Cocktails und -Spritzes, die auf der neuen Karte sofort ins Auge fallen. Auch beim Food hat man einiges verändert: Statt nur einmal pro Woche ein Special anzubieten – Burger am Mittwoch – ist nun jeder Tag ein kleines Event, vom Piri-Piri-Chicken am Dienstag bis zu Steak Frites am Freitag. Statt nur eines starken Mittwochs, der alle anderen Tage in der Wahrnehmung und im Umsatz überschattet hat, sind nun alle anderen Tage stärker. Der Umsatz pro Kopf ging am Mittwoch um 8% zurück, dafür an allen anderen Tagen zwischen 6 und 14% nach oben.
„Das Café Danz ist jetzt viel mehr so, wie wir es uns vorgestellt haben“
Andreas Schöler
Zwischenfazit: Der Betrieb macht jetzt Gewinn. Tilgungen und Zinsen können bedient werden. Die Geschäftsführer zahlen sich heute ein Gehalt aus. Die Korken knallen noch nicht, aber man ist auf einem guten Weg, so Andreas Schöler. Sein Tipp an die Kolleg*innen: Auf die Zahlen schauen – und steuern. „Das Beste ist, in die Aktivität zu kommen, wenn man in einer Krise steckt.“